Stefan Müller hat Weinberg angelegt
Vom Fußballer unter die Winzer
Weinanbau in der Rhön, genauer hinter der Heckenmühle bei Simmershausen? Seine Gäste witzelten schon letzten Herbst – Müller betreibt zusammen mit seiner Ehefrau Christina im Nebenerwerb einen Ferienhof – ob er denn die Trauben zwei Jahre hängen lassen oder Eiswein machen wolle? Mitnichten. Erste Erfahrungen hat Müller schon gesammelt. Nach dem Umbau des Hauses vor fünf Jahren blieb ein steiler Hang übrig. Weinliebhaber Müller hatte eine Idee und pflanzte einfach mal 50 Rebstöcke. Nach drei Jahren erntete er zum ersten Mal und machte aus den Trauben Wein – und siehe da: Der Tropfen schmeckte gut. Dieses Ergebnis ermunterte ihn, sein Hobby zu intensivieren. Seine Ehefrau Christina und die Schwiegereltern Marita und Winfried Frank bestärkten und halfen ihm.
Der 43-Jährige pflanzte zwei Jahre später nochmals 100 Rebstöcke und bildete sich weiter, informierte sich in Büchern und im Internet über den Weinanbau. Er merkte aber bald, dass er praktische Erfahrung benötigt. Deshalb wandte er sich an die Bayerische Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim bei Würzburg. Müller fuhr an seinen freien Tagen ins Fränkische und arbeitete vor Ort mit. Er lernte von den erfahrenen Weinexperten viel über Pflanzenschutz, die Bodenarbeiten, den Rebschnitt, das Austreiben, aber auch über das Weinmachen – das Vinifizieren. „Ich fragte die Experten Löcher in den Bauch“. Aber nur so konnte er sich in dem für die Rhön ungewöhnlichen landwirtschaftlichen Zweig weiterbilden.
Er weiß, dass viele Menschen sein Hobby belächeln. Aber Müller hat Nachforschungen angestellt. Die Rhön habe für den Weinbau nicht nur Nachteile. „Heute herrschen in unserer Region Temperaturen wie vor 30 Jahren in Würzburg. Aber in der Rhön fällt mehr Niederschlag, zudem kämen hier extreme Witterungsbedingen seltener vor als in Franken“, erklärt er.
Geduld ist gefragt
Ein großes Anliegen ist dem 43-jährigen Simmerhausener die umweltfreundliche ökologische Bewirtschaftung des Weinbergs, der Naturschutz und die Förderung der Biodiversität. „Ich will den Weinberg in die Natur integrieren“, sagt er. „Primärziel ist es, einen besonderen Weinberg zu schaffen, der sich in die natürlichen Gegebenheiten unserer Heckenmühle einfügt und die Biodiversität durch das Verbinden aller Habitate wie Reben, Hecken, Blühstreifen, Terrassen, Steinhaufen, Streuobstbäume, Nisthilfen für Vögel und Totholz als Lebensraum für Insekten steigert.
Die Ökomodellregion Fulda unterstützt ihn. „Der Weinberg ist ein spannendes und mutiges Projekt“, erklärt Leiterin Simone Müller. Der Landkreis fördert finanziell das Anlegen der Hecken, weil damit die biologische Vielfalt verbessert werde. Und auch der Aufbau einer Wertschöpfungskette für den Bio-Wein werde unterstützt. Da es sich um einen landwirtschaftlichen Nebenerwerb handelt, musste das Landwirtschaftsamt, die untere Naturschutzbehörde sowie das Weinbauamt in Eltville die Neuanlage genehmigen.
Nachdem die bürokratischen Voraussetzungen erfüllt waren, konnte Hobbywinzer Müller mit dem Pflanzen der Rebstöcke beginnen. Dazu mussten knapp 3000 Pflanzlöcher gebohrt werden. Die Familie sowie ein Dutzend Helfer, darunter die Top-Köche Benjamin Kehl und Patrick Spies, konnten dann die Rebstöcke pflanzen.
Müller wird in den nächsten Wochen und Monaten genau verfolgen, wie sich die frisch gepflanzten Rebstöcke entwickeln. Den ersten Wein aus dem neu angelegten Weinberg erwartet er in drei Jahren. Da werden die Stöcke noch nicht so ertragreich sein und die Ernte eher bescheiden ausfallen. Erst in vier oder fünf Jahren kann er auf 5000 bis 6000 Liter Wein hoffen. Den Wein will der 43-Jährige selbst herstellen. Presse, Tanks und Abfüllanlage dazu hat er schon gekauft. Und er hat auch schon Ideen, wie er ihn verkaufen will. In der Zwischenzeit müssen er und seine Gäste sich mit den Erträgen aus den 150 älteren Weinstöcken begnügen, die aber richtig gut schmecken. / ic


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