Ein Glühwein mit Andreas Schmier
"Zu viel Kommerz und Brimborium"
Mit Kiebitzgrund/Rothenkirchen haben Sie am letzten Spieltag knapp die Aufstiegsrunde der KOL Mitte verpasst. Wie hat der Club den Schmerz verdaut?
Ziemlich tiefenentspannt, denn wir haben auch so eine sehr erfolgreiche Vorrunde gespielt. Klar hätten wir die Aufstiegsrunde und damit den vorzeitigen Klassenerhalt als Zubrot gerne mitgenommen, aber vielleicht ist es so nicht schlecht. Dann sind die Jungs über die Winterpause nicht zu faul und wissen, dass sie noch was tun müssen.
Sie haben beim SC Neukirchen, Borussia Fulda und beim SVA Bad Hersfeld Regional- und Hessenliga gespielt. Was ist denn aus dieser Zeit an schönen Erinnerungen hängengeblieben?
Da würde ich sogar mit meiner Zeit bei Hessen Hersfeld beginnen. Wenn du als 18-Jähriger vom Dorf kommst und zur damaligen Zeit zu Spielen nach Kassel gefahren bist, war das etwas ganz Besonderes. Ich hatte als Nobody noch nicht die große Welt gesehen. Plötzlich fährst du mit Leuten wie Thomas Reith, Dirk Lünzer oder Matthias Leutke zu solchen Spielen. Das war ziemlich cool.
Nie vergessen werde ich das Halbfinale im Hessenpokal, als wir 12:11 gegen Rot-Weiß Frankfurt gewonnen haben. Oder das Spiel im DFB-Pokal gegen Halle mit Darius Wosz und Rene Tretschok. Wosz habe ich vor Kurzem mal getroffen. Der kann sich ebenfalls noch an das Spiel erinnern.
Bei Borussia Fulda kam mein persönliches Highlight mit dem Spiel gegen Nürnberg, als ich kurz vor Schluss noch den Außenpfosten getroffen habe und wir um ein Haar 2:1 gewonnen hätten. In Asbach war die Werner-Schlacher-Zeit prägend, als wir Darmstadt 98 sonntagmorgens um 11 Uhr mit 2:1 geschlagen oder als deren Fans beim Rückspiel in Darmstadt den Platz gestürmt haben und uns verprügeln wollten, weil wir 1:1 gespielt haben. Da gab es in der Tat einiges.
Mittlerweile haben Sie die Seiten gewechselt, sind Funktionär statt Spieler. Wie ändert sich die Blickweise?
Funktionär in der Kreisoberliga ist ja übertrieben. Man sucht die Kommunikation mit dem Trainer und der Mannschaft, kümmert sich darum, dass alles in geregelten Bahnen läuft. Bei uns im Verein ist das alles keine Hexerei. Es geht einfach um den Sport. Wichtig ist, einfach mit dabei zu sein. Ich bin ja schon über 50 und der Kontakt zu den jungen Leuten hält einen ein bisschen fit – macht einen an manchen Tagen aber auch mal ein bisschen kaputt.
Hätten Sie Lust, noch mal höherklassig etwas zu machen – egal ob als Trainer oder Funktionär?
Ich glaube eher nicht. Da geht es mir mittlerweile viel zu viel um Kommerz und es wird oft viel zu viel Brimborium und Theater um den Fußball gemacht. Wenn ich dann höre, dass in der Verbands- oder Hessenliga manche Leute einfach nicht zum Training kommen und die dann noch meinen sie hätten recht damit, dann ist das Mission Impossible.

