Ausgerechnet Florian Wess schießt den Bock
Gruppenliga: Thalaus Keeper patzt gegen zukünftigen Klub
Nach einem durchaus packenden und höchst emotionalen Derby gab es vor allem ein Gesprächsthema: Florian Wess. Der Torwart von Thalau wechselt bekanntlich im Sommer nach Rothemann und wurde im Wittiggrund zur tragischen Figur. Schon beim ersten Tor ist er von Schuld nicht freizusprechen, aber beim entscheidenden 2:3 schoss der 25-jährige den entscheidenden Bock. Wess ließ einen alles anderen als gefährlichen Freistoß von Daniel Rother durch die Finger flutschten. Aus fast 25 Metern hatte Rother den Ball über die Mauer gehoben – normalerweise ein dankbarer Ball für den Keeper, der diesmal aber patzte. Wie ein Häufchen Elend hockte Wess nachher gefühlte Ewigkeiten einsam an seinem Pfosten und wollte nur noch im Erdboden versinken.
Das ausgerechnet sein neuer Trainer Daniel Rother und damit ein Ex-Thalauer, der bis zum Winter beim FSV spielte, den Treffer erzielte, ist eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Und das die Thalauer Zuschauer nur vier Minuten vorher hämisch eine Gelbe Karte von Rother bejubelten, ehe er dann den entscheidenden Treffer erzielte, war ebenfalls skurril.
„Ich sehe es nicht so, dass wir Florian nicht hätten bringen sollen, um ihn zu schützen“, meinte Thalaus Trainer Frank Schlieck nachher. „Aber das ist Fußball – ohne Worte. Jeder weiß, dass der Kerl das nicht mit Absicht macht.“ Recht hat er, denn seine Elf hat sich die Niederlage vor allem selbst zuzuschreiben. Erstens, weil man die erste halbe Stunde völlig verschlafen hatte. Hier war Rothemann hellwach und machte durch Hammerl und den Kopfball von Christian Sislak zwei Tore.
Danach kamen die Hausherren auf und man spürte, dass hier nichts „verschenkt“ wird. Thalau rackerte, kämpfte und kam heran. Erst durch einen Freistoß von Florian Storch, dann nach einer Ecke von Storch, die Dennis Fischer im Getümmel reinmachte. Dieses 2:2 viel mitten in die beste Phase von Thalau. Denn direkt nach der Pause machte der FSV viel Dampf und Rothemann begann in der ein oder anderen Situation zu schwimmen. Doch der Thalauer Druck war schnell wieder verpufft und es folgte der Freistoß zum 2:3. Auch danach gab Thalau nie auf, wirkte aber komplett ideenlos bei seinem Anrennen.
„Für uns war dieser Erfolg heute extrem wichtig. Vor allem für die Moral“, pustete Daniel Rother nachher durch. „Wir haben nach dem 0:6 gegen Hosenfeld ganz normal weitergemacht und uns ganz ruhig auf dieses Spiel vorbereitet. Überrascht war ich, dass wir unter der Woche endlich ein paar Leute mehr im Training waren. Ich hoffe, wir sind zusammengerutscht.“
Thalau: Wess; Belz, Baumann, Fischer, Weichlein, B. Röhrig (79. Leinweber), L. Kress, (84. D. Kress), Storch, Bohl (71. Schrems), Zimmer, Szilagyi.
Rothemann: Hofacker; Stephan (77. Eggers), Rother, Sislak, Bub, Sauer, Kretsch, Müllers, Nuha, Hammerl, Corumlu (89. Drews).
Schiedsrichter: Sebastian Poth (VfR Hainchen). Zuschauer: 500. Tore: 0:1 Tobias Hammerl (4.), 0:2 Christian Sislak (21.), 1:2 Florian Storch (42.), 2:2 Dennis Fischer (54.), 2:3 Daniel Rother (67.). / kr


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