Jörg Meinhardt fassungslos über Schiedsrichterleistung
Trainer wütet: Irre, einfach nur irre
Gefasst, wenn auch ziemlich baff, gab Bardo Hirsch, Trainer der siegreichen SG Schlüchtern/Elm, nach dem Kantersieg über den Beinahe-Aufsteiger aus der vergangenen Saison zu Protokoll: „Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, hätte ich es natürlich nicht geglaubt. Aber wir haben uns das sehr hart erarbeitet. Und so ein Sieg hat uns auch mal gefehlt, das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen.“ Hirsch hatte ein Spiel gesehen, „das nach dem 1:1 gekippt ist und in dem wir nach dem 2:1 auf einmal völlig befreit gespielt haben“.
Hirschs Trainerkollege aus Thalau, Jörg Meinhardt, der ehemalige Mannschaftskamerad aus gemeinsamen glorreichen Zeiten im Dress von Borussia Fulda, war nach dem Schlusspfiff völlig bedient. „Keine Frage: Wir haben sehr schlecht gespielt. Aber ganz ehrlich: Seit ich mit Fußball zu tun habe, habe ich so etwas noch nicht erlebt. Das 1:1 war klar Abseits, das 1:2 war kein Elfer, klarer kann mein Torwart den Ball nicht spielen, und bei einem weiteren Tor waren es ja vorneweg zwei, drei Meter Abseits. Irre, einfach nur irre.“
Nach nicht einmal vier Minuten lag Schlüchtern/Elm hinten. Torwart Fabian Zarnack war zögernd aus dem Kasten gekommen, Dzejlan Salkovic hob den Ball über den Schlussmann hinweg zum 1:0 ins Tor. Thalau spielte souverän, ballsicher und abgeklärt, Schlüchtern stolperte von einer Verlegenheit in die nächste. Bis Innenverteidiger Jochen Eurich einen langen Ball auf Mladen Puric spielte, der unbedrängt durch den Sechzehner kurvte und am langen Eck den völlig blanken Mohammad Habakzah – in stark abseitsverdächtiger Position – bediente. Der Mittelstürmer machte aus kurzer Distanz kurzen Prozess, 1:1 nach 19 Minuten. Nur fünf Minuten später das 2:1. Nikola Kostadinov, dem vor dem 0:1 der fatale Ballverlust unterlaufen war, drosch die Kugel aus 20 Metern halblinks mit einer Direktabnahme ins lange Eck. Und als der am Ende mit Abstand beste Mann auf dem Platz, Mladen Puric, per Strafstoß den ersten seiner drei Treffer erzielte, reifte im Lager der staunenden Gastgeber der Glaube, tatsächlich als Sieger vom Platz gehen zu können.
Nach Wiederanpfiff überstand Schlüchtern/Elm zunächst zwei enorm brenzlige Situationen schadlos, ehe Purics 4:1 nach flüssiger Kombi über Kostadinov und Habakzah den Thalauern den letzten Schneid abkaufte. Schlüchtern/Elm ließ bis zum Schluss nicht mehr nach, legte noch einen fünften Treffer, einen Bogenlampen-Kopfball von Puric, nach, während sich im Lager der Gäste zunehmend Frust breitmachte, der in der Schlussphase in zwei Rudelbildungen gipfelte. So sehr man an der Auwiese froh über die beileibe nicht eingeplanten drei Punkte war, so sehr kennen die Schlüchterner aber auch ihre Pappenheimer. „Jetzt verlieren sie wahrscheinlich am Sonntag bei Elters/Eckweisbach“, unkten so manche. / oi
Die Statistik:
SG Schlüchtern/Elm: Zarnack, Slowinski, Nix, Eurich, Schulz – Mat, Schlichting (76. Scholz) – Puric, Hrkic, Kostadinov (60. Arapi) – Habakzah (81. Richter).
FSV Thalau: Herber; Fischer, Vardar, S. Kress – Weichlein (85. L. Kress), Tekleyes – Strom, Salkovic (73. Brehl) – Koch (62. Schrems), Müglich.
Schiedsrichter: Dominik Roß (Otzberg).
Zuschauer: 100.
Tore: 0:1 Dzejlan Salkovic (4.), 1:1 Mohammad Habakzah (19.), 2:1 Nikola Kostadinov (44.), 3:1 Mladen Puric (45.+2, FE), 4:1 Mladen Puric (56.), 5:1 Mladen Puric (78.).

